Ich muss dir etwas gestehen: Ich hätte wegen Grip fast mit Poledance aufgehört. Nicht wegen der blauen Flecken. Nicht wegen der Kraft. Sondern weil meine Hände so stark geschwitzt haben, dass ich mich an der Stange kaum halten konnte. Nicht nur die Hände — alles hat geschwitzt. Hände, Beine, sogar die Schienbeine. Die ersten Jahre waren ein ständiger Kampf gegen die Feuchtigkeit, und es gab Momente, in denen ich ernsthaft überlegt habe, ob dieser Sport überhaupt etwas für mich ist. Heute? Heute habe ich eher Probleme mit zu trockener Haut. Kein Witz. Hätte mir das damals jemand gesagt, ich hätte es nie geglaubt.
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Ich schreibe diesen Artikel, weil Grip das Thema Nr. 1 beim Poledance ist — und gleichzeitig das, worüber am wenigsten ehrlich gesprochen wird. Die meisten Artikel listen einfach Produkte auf. Aber Grip ist viel mehr als die Frage, welches Mittel du auf deine Hände schmierst.
Warum Grip so ein großes Thema ist
Lass mich eines vorweg klarstellen: Grip ist nicht nur ein Anfänger-Problem. Es ist ein Poledance-Problem. Es betrifft jedes Level, jede Erfahrungsstufe, jede Tänzerin. Selbst sehr fortgeschrittene Poledancerinnen denken vor einem Auftritt nur einen einzigen Gedanken: Hoffentlich habe ich heute guten Grip.
Wenn du also gerade am Anfang stehst und frustriert bist, weil du an der Stange einfach nicht halten kannst — willkommen im Club. Das geht nicht nur dir so. Das geht uns allen so.
Was viele Anfängerinnen schockiert: Sie kommen zur ersten Stunde, greifen die Stange — und rutschen sofort ab. Einfach so. Die Stange fühlt sich glatt an, die Hände werden feucht, und es fühlt sich an, als wäre man die Einzige im Raum, die das Problem hat.
Der wichtigste Unterschied: Schwitzige Haut vs. trockene Haut
Bevor du blindlings ein Grip-Mittel kaufst, musst du eines verstehen: Nicht jedes Grip-Problem hat die gleiche Ursache. Und das falsche Produkt kann dein Problem sogar verschlimmern.
Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Grip-Problemen:
Schwitzige Haut: Deine Hände (und möglicherweise dein ganzer Körper) produzieren zu viel Feuchtigkeit. Die Stange wird nass und rutschig. Das ist das klassische Anfänger-Problem und betrifft die Mehrheit.
Trockene Haut: Deine Haut hat nicht genug Feuchtigkeit, um an der Stange zu haften. Das klingt paradox — man braucht tatsächlich einen minimalen Feuchtigkeitsfilm auf der Haut, damit sie an der Stange klebt. Zu trockene Haut gleitet einfach ab, ohne Halt zu finden.
Warum ist dieser Unterschied so wichtig? Weil ein Produkt, das für schwitzige Hände gemacht ist (also Feuchtigkeit absorbiert), bei trockener Haut alles noch schlimmer macht. Und umgekehrt: Ein Produkt, das Feuchtigkeit spendet, macht schwitzige Hände zur Rutschbahn.
Finde also zuerst heraus, zu welcher Gruppe du gehörst. Im Zweifel: Wenn du Anfängerin bist, hast du sehr wahrscheinlich schwitzige Hände — allein durch die Anspannung und die ungewohnte Belastung.
Grip-Mittel: Was es gibt und was wirklich hilft
Ich habe in meinen Jahren an der Stange so ziemlich alles getestet, was der Markt hergibt. Hier ist mein ehrliches Fazit.
Für schwitzige Hände
Liquid Chalk / Flüssigmagnesium: Das kennt man aus dem Klettersport. Es trocknet die Hände schnell und zuverlässig. Gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen — von günstigen Produkten bis hin zu Premium-Varianten. Ein solides Einstiegsprodukt, das ich empfehlen kann, ist das Mantle Liquid Chalk* — kommt aus dem Klettersport, trocknet zuverlässig und ist preislich fair zum Einstieg.
Magnesium-Pulver (Chalk): Die klassische Variante. Funktioniert gut an den Händen, ist aber schwierig auf andere Körperstellen aufzutragen (Beine, Schienbeine). Trotzdem ein solides Basismittel. Speziell für Poledance entwickelt ist das LUPIT Pole Dance Grip Puder* — ein Grip-Pulver, das speziell auf die Anforderungen an der Stange abgestimmt ist.
Dry Hands: Eines der bekanntesten Grip-Produkte in der Pole-Welt. Eine Flüssigkeit, die die Hände trocknet und leicht griffig macht. Funktioniert bei vielen sehr gut — bei manchen macht es die Hände aber erst recht rutschig. Es ist wirklich individuell.
Monkey Grip / Girlie Grip: Speziell für Poledance entwickelt. Funktioniert bei einigen Tänzerinnen hervorragend, bei anderen gar nicht. Das ist kein Qualitätsproblem — jede Haut reagiert anders.
2Toms GripShield: Ein flüssiges Griffmittel, das speziell gegen Handschweiß entwickelt wurde. Bildet eine dünne Schicht auf der Haut, die den Grip verbessert, ohne zu kleben. Kann eine gute Alternative sein, wenn du mit Pulver oder Chalk nicht zurechtkommst. 2Toms GripShield auf Amazon*
Tite Grip: Wird 30 Minuten vor dem Training aufgetragen und soll die Schweißproduktion reduzieren. Es ist mein persönliches Lieblingsprodukt. Tite Grip gibt es für stark schwitzende Hände und für „normale" Hände.
Für trockene Haut
Für trockene Haut brauchst du Produkte, die Feuchtigkeit spenden und eine leichte Klebrigkeit erzeugen. Das ist ein eigenes, großes Thema, dem ich einen separaten Artikel widmen werde. Wenn du merkst, dass deine Haut an der Stange einfach „drübergleitet" ohne zu haften, obwohl du nicht schwitzt — dann hast du vermutlich dieses Problem.
Die unbequeme Wahrheit über Grip-Mittel
Kein einziges Grip-Mittel ist die Wunderlösung. Es gibt kein Produkt, das du aufträgst und dann hältst du perfekt. Du wirst dich durchprobieren müssen. Was bei deiner Trainingskollegin fantastisch funktioniert, kann bei dir komplett versagen. Das ist frustrierend, aber normal.
Mein Rat: Kaufe nicht gleich alles auf einmal. Starte mit einem Liquid Chalk wie dem Mantle* und teste es ein paar Wochen. Wenn das nicht reicht, probiere ein zweites Produkt. Manche kombinieren auch zwei Produkte — zum Beispiel erst ein Antitranspirant, dann Liquid Chalk obendrauf. Finde deinen Weg, aber gib jedem Produkt eine faire Chance.
Mein teuerster Fehler: Die Silikon-Stange
Weil ich so unter meinen schwitzigen Händen gelitten habe, kam ich auf die Idee, eine Silikonbeschichtete Stange zu kaufen. Meine Logik: Wenn die Stange eine griffige Oberfläche hat, muss ich mich ja besser halten können. Richtig?
Falsch. Mehrere hundert Euro falsch.
Das Problem: Auch auf Silikon rutscht man ab, wenn die Hände feucht sind. Feuchtigkeit auf einer glatten Oberfläche bleibt Feuchtigkeit auf einer glatten Oberfläche — egal ob Chrom oder Silikon. Dazu kommt: Eine Silikonbeschichtete Stange fühlt sich komplett anders an als eine klassische Chrom-Stange. Die Tricks funktionieren anders, die Haut reagiert anders. Ich kam überhaupt nicht damit klar und habe die Stange nach kurzer Zeit mit Verlust wieder verkauft.
Mein Rat an dich: Bevor du eine teure Spezialstange kaufst, löse das Problem an der Quelle — mit den richtigen Grip-Mitteln und vor allem mit Geduld. Die Stange selbst ist selten das Problem.
Was wirklich hilft — langfristig
Grip-Mittel sind kurzfristige Helfer. Aber die eigentliche Verbesserung kommt über die Zeit — und zwar aus mehreren Gründen gleichzeitig:
Deine Griffkraft wächst: Je stärker deine Hände und Unterarme werden, desto weniger musst du verkrampfen, und desto weniger schwitzt du beim Greifen. Griffkraft lässt sich gezielt trainieren — mit Grifftrainern, Anti-Stress-Bällen oder einfach durch regelmäßiges Training an der Stange.
Du lernst, mit schlechtem Grip umzugehen: Nach einer Weile weißt du: Heute ist kein guter Grip-Tag. Okay, dann mache ich Tricks, die weniger Handgrip brauchen, oder konzentriere mich auf Floorwork und Technik. Diese Gelassenheit kommt mit Erfahrung.
Du findest dein Produkt: Irgendwann hast du das Grip-Mittel (oder die Kombination) gefunden, das für dich funktioniert. Dann hörst du auf, ständig nach neuen Lösungen zu suchen, und es wird einfach Teil deiner Routine.
Du wirst gelassener: Am Anfang ist schlechter Grip ein Drama. Später ist es ein Achselzucken. Du akzeptierst, dass manche Tage besser sind als andere — und das nimmt den Druck raus, der dich wiederum schwitzen lässt (ja, Stress-Schweiß ist beim Poledance real).
Du wirst routinierter: Je sicherer du in den Figuren wirst, desto weniger anstrengend werden sie. Und weniger Anstrengung bedeutet weniger Schweiß. Ein Trick, den du zum hundertsten Mal machst, bringt dich nicht mehr so ins Schwitzen wie beim ersten Mal.
Die häufigsten Fehler
Damit du sie nicht machen musst, hier die Fehler, die ich ständig sehe:
Zu viel Grip-Mittel auftragen: Mehr ist nicht mehr. Zu viel Liquid Chalk bildet eine Schicht, die selbst rutschig wird. Zu viel klebriges Grip-Mittel verhindert, dass du überhaupt noch um die Stange rotieren kannst — und das kann richtig wehtun, wenn die Haut plötzlich hängen bleibt statt zu gleiten.
Das falsche Produkt für den eigenen Hauttyp: Schwitzige Hände brauchen trocknende Produkte. Trockene Haut braucht feuchtigkeitsspendende Produkte. Klingt logisch, aber die meisten greifen einfach zu dem, was ihre Trainingskollegin benutzt, ohne zu wissen, ob sie dasselbe Problem haben.
Vor dem Training eincremen: Bodylotion, Handcreme, Sonnencreme — alles, was deine Haut geschmeidig macht, ist Gift für den Grip. Idealerweise cremst du dich mindestens 24 Stunden vor dem Training nicht ein. Ja, auch nicht an den Beinen.
Unrealistische Erwartungen: Manche Anfängerinnen glauben, nach einer Stunde oder ein paar Wochen wäre das Grip-Problem gelöst. Ist es nicht. Es wird besser, aber es bleibt ein Thema. Wer das akzeptiert, lebt gelassener damit.
Ein ehrliches Wort zum Schluss
Es gibt wenige Menschen, die wirklich krankhaft stark schwitzen — sogenannte Hyperhidrose. Wenn du zu diesen Menschen gehörst und trotz aller Mittel und Geduld keinerlei Halt an der Stange findest, dann muss man ehrlich sagen: Vielleicht ist eine andere Luftakrobatik-Sportart besser für dich geeignet. Aerial Hoop oder Aerial Silks bieten ähnliche Faszination. Das ist kein Scheitern — das ist eine kluge Entscheidung.
Für alle anderen — und das sind die allermeisten!! — gilt: Es wird besser. Nicht morgen, nicht nächste Woche, aber mit der Zeit. Und irgendwann wirst du vielleicht an dem Punkt sein, an dem ich heute bin: mit dem umgekehrten Problem kämpfend, über zu trockene Haut fluchend und ungläubig daran zurückdenkend, wie du damals fast aufgehört hättest.
Bleib dran. Dein Grip kommt. 💪
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Louisa Neubauer
Zertifizierte Pole Dance Trainerin seit 2022. Seit 2018 an der Pole — bei Pole Statement Karlsruhe & Poleplace.